5 Argumente gegen das Sicherheitszeichen in der Warnhinweis-Marginalie

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Jeder kennt sie: Aufdringliche, schilderartige Warnhinweise vor allem in Betriebsanleitungen für Anlagen und Maschinen. Mit einem breiten Signalwortpanel und, damit der Leser sie noch besser gezielt ignorieren kann, einem oder sogar mehreren Sicherheitszeichen in der Marginalie.

Die ANSI Z535.6 nennt dieses Zeichen „Safety Symbol“ – nicht zu verwechseln mit dem „kleinen“ Dreieck im Signalwortpanel, dem „Safety Alert Symbol“. Das Safety Alert Symbol entspricht dem Allgemeinen Warnzeichen, beim Safety Symbol kann es sich um verschiedene Sicherheitszeichen nach ISO 7010 oder ANSI Z535.4 handeln (zumeist Warn- oder Gebotszeichen). Während das Safety Alert Symbol gemäß ANSI Z535.6 obligatorisch ist, ist das Safety Symbol optional – was man ausnutzen sollte, denn es gibt nichts, was für seine Verwendung spricht.

Das Marginaliensymbol hat sich jedoch bei Ihnen eingeschlichen und Sie müssen Überzeugungsarbeit leisten, um es wieder loszuwerden? Lesen Sie hier unsere 5 Argumente gegen diese übliche, aber unnötige Praxis.

  1. Grundsätzliches
    Die Sicherheitszeichen nach ISO und ANSI sind eigentlich dazu bestimmt, Gefahrenstellen an Produkten, in Betriebsräumen oder im öffentlichen Raum zu kennzeichnen. Die Anleitung ist aber keine Gefahrenstelle. Sie ist Teil des Produkts, aber nicht das Produkt selbst, also muss sie auch nicht mit Symbolen oder Schildern bekleistert werden.
  2. Warning pollution
    In Technischen Redaktionen gilt es mittlerweile als Common Sense, dass ein Zuviel an Warnhinweisen (die sog. „Warning pollution“) nicht nutzerfreundlich ist, den Lesefluss behindert und somit auch keinen Beitrag zu einer sicheren Instruktion leistet.
    Unserer Ansicht nach bezieht sich „Warning pollution“ aber nicht nur auf die Anzahl verwendeter Warnhinweise, sondern auch auf deren Gestaltung. Je sperriger und überladener ein Warnhinweis daherkommt, umso schlechter fügt er sich in den Gesamttext.
    Man sollte ja immer bedenken: Nur, weil etwas auffällig gestaltet und von seinem Umfeld maximal abgegrenzt ist, wird es nicht automatisch beachtet. Im Gegenteil kann es auch bewusst überlesen werden. Und es gibt nichts, was einen Warnhinweis stärker hervorhebt als das Safety Symbol.
  3. Kein informativer Mehrwert
    Warnhinweise sind textbasiert. Die Art und Quelle der Gefahr und die Maßnahmen zur Gefahrenvermeidung werden ohnehin textlich kommuniziert; insofern darf man sich die Frage stellen, welchen informativen Mehrwert das Safety Symbol noch haben soll.
    Den Hinweis aus ANSI Z535.6, dass das Safety Symbol einen ansonsten textlich kommunizierten Sachverhalt ersetzen kann, sollte man nicht in die Praxis umsetzen. Nehmen wir an, eine von 3 Maßnahmen ist das Tragen eines Kopfschutzes. Nun kommuniziert man 2 Maßnahmen schriftlich, und die dritte in Form des ISO-Gebotszeichens M014:
    Machen wir uns ehrlich: Wie wahrscheinlich ist es, dass der Leser das Symbol in der Marginalie in eine gleichrangige dritte Maßnahme übersetzt und es nicht nur als schmückendes Beiwerk wahrnimmt? Sehr unwahrscheinlich, weshalb das Safety Symbol in der Regel auch nicht als Ersatz, sondern (nutzloser) Zusatz verwendet wird.
  4. Konsistenzverstoß
    Diese sehr unterschiedliche Kommunikation der Maßnahmen wäre allerdings auch ein recht beachtlicher Konsistenzverstoß. Eine goldene Regel zur Konsistenzsicherung in der Technischen Redaktion lautet: Gleiches gleich gestalten. Alle Gefahrenvermeidungsmaßnahmen in einem Warnhinweis sind gleichermaßen wichtig, also sollten sie auch identisch kommuniziert und zusammengehalten werden. Und da nicht alle Maßnahmen durch ein Safety Symbol ersetzt werden können, ist auch klar, wie.

  5. Unnötige Folgeprobleme
    Wenn sich für einen Warnhinweis kein passendes Safety Symbol finden lässt (weder Warn-, noch Gebots-, noch Verbotszeichen), dann wird in der Regel auf das Allgemeine Warnzeichen (W001 nach ISO 7010) zurückgegriffen. Das ist aus 3 Gründen sehr unschön:

    Erstens: Es hat erst recht keinen Informationsmehrwert und ist nur um seiner selbst Willen da, damit eben jeder Warnhinweis sein Safety Symbol hat.

    Zweitens: Das Safety Symbol in solchen Fällen wegzulassen, ist auch keine zufriedenstellende Option, weil man dann wieder inkonsistent gestaltete Warnhinweise hat.

    Drittens: Durch das obligatorische Safety Alert Symbol hat man eine Dopplung des Allgemeinen Warnzeichens. Seien wir ehrlich: Das sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt.

    Die Konsistenz- und Redundanzprobleme haben sich also vermehrt. Allerdings sind diese Probleme von vornherein vermeidbar. Alles, was man dafür tun muss, ist, dem Safety Symbol Lebewohl zu sagen.

Aber keine Sorge: Das bedeutet keinen Abschied von den Sicherheitszeichen an sich. Sie müssen diese auch nicht löschen, wenn Sie sie bereits im Redaktionssystem haben. Zur Erklärung der auf dem Produkt markierten Gefahrenstellen werden sie weiterhin gebraucht.