Unsere Highlights der tekom-Jahrestagung

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Unsere Highlights der tekom-Jahrestagung

, Kategorien: Technische Dokumentation Übersetzung und Terminologie
Unsere Highlights der tekom-Jahrestagung

Das Branchentreffen schlechthin

Die tekom-Jahrestagung ist das größte Branchentreffen Deutschlands, die der deutsche Fachverband für Technische Kommuniaktion veranstaltet. In diesem Jahr ströhmten rund 4.500 Besucher ins Congresscenter Stuttgart, um sich über die neuesten Entwicklungen und Tools auszutauschen. Die Themen waren vielfältig – von Grundlagen wie verständliches Schreiben über rechtliche Anforderungen bis hin zu Zukunftsthemen wie Digitalisierungsszenarien und Künstliche Intelligenz. Das Tagungsprogramm umfasste etwa 240 Vorträge, Workshops und Tutorials. Unser fünfköpfiges Messeteam hat sich die für Dokuwerk interessanten Veranstaltungen herausgepickt und berichtet nun von den Eindrücken und Inhalten.  

Im Wesentlichen haben wir an Veranstaltungsformaten zu drei Bereichen teilgenommen: Erstens haben uns technologische Neuerungen interessiert, welche die Zukunft der Technischen Dokumentation umgestalten werden. Zweitens haben wir Veranstaltungsformate besucht, die sich mit der Wiederverwendung von Daten beschäftigt haben. Da Normen und Richtlinien uns in der alltäglichen Arbeit beschäftigen, war – drittens – der Besuch von Formaten zu rechtlichen Neuerungen sozusagen Pflicht. Ausgewählte Highlights besprechen wir im Folgenden genauer.


Künstliche Intelligenz

Ein Thema, das Technische Redakteure und Übersetzer momentan umtreibt, ist Künstliche Intelligenz (KI). In diesem Zusammenhang werden sich Technische Redakteure über kurz oder lang mit sogenannten ‚Chatbots‘ befassen. Der Begriff setzt sich zusammen aus den beiden Wörtern ‚Chat‘ und ‚Robot‘. Nutzer eines Chatbots kommunizieren folglich mit einem Computerprogramm bzw. Roboter. Der Computer muss erkennen, welches Anliegen der Nutzer hat. Es geht also um Spracherkennung. Und der Computer muss auf das Anliegen Antworten und Sprache ausgeben. Entscheidend bei dem Einsatz von Chatbots sind Tools, welche die Wiederverwendung von qualitativ hochwertigen Daten sicherstellen. Für den Technischen Redakteur ist das Thema deshalb relevant, weil er das Wissen hat, wie Informationen zielgruppengerecht aufbereitet werden können. Laut der Vortragenden Wunder und Scheuer wandelt sich die Rolle des Technischen Redakteurs hin zu einem „Dialog-Designer“ (Wunder, J./Scheuer, D. (2019): Chatbot und Maschinenbau, Vortrag auf der tekom-Jahrestagung). Unser Fazit ist, dass in Chatbots großes Potenzial liegt und sich der Einsatzbereich langfristig über den Kundenservice ausweiten wird, in dem die ‚Sprachroboter‘ bisher vor allem eingesetzt werden. Wir haben jedoch auch mitgenommen, dass die technischen Entwicklungen von Chatbots im Bereich Wiederverwendung von Daten noch ausbaufähig sind. Wir bleiben am Ball und verfolgen die Entwicklungen weiter.

 

Künstliches Intelligenz ist auch dann ein großes Thema, wenn es um Maschinelles Übersetzen (MÜ) geht. Ein weiteres Mal wurde durch die Beiträge klar, dass Maschinelles Übersetzen als Chance wahrgenommen werden muss. Die Arbeit des Übersetzers wird durch dich Technologie nicht ersetzt, sie ändert sich. Der Übersetzer muss abwägen, welche Texte sich für das MÜ eignen. Was sich ändert, ist der Pre-Editing-Aufwand. Die Vortragenden Mikitisin und Winokur (2019, Effizienz 4.0: Maschinelle Übersetzung und Post-Editing, Vortrag auf der tekom-Jahrestagung) haben gezeigt, dass ein gründliches Pre-Editing den Post-Editing-Aufwand deutlich reduziert. Eine sorgfältige Rechtschreibprüfung, eine festgelegte Terminologie, kurze Sätze oder das Vermeiden von Zeilenumbrüchen innerhalb eines Satzes ersparen dem Übersetzer z. B. lästige Arbeit im Nachgang.


Wiederverwendung von Daten

Die sorgfältige Pflege von Daten zur Wiederverwendung lohnt sich – das haben die Vorträge auf der tekom-Jahrestagung ein weiteres Mal verdeutlicht. Nicht nur in Zusammenhang mit Chatbots oder mobiler Dokumentation, auch im Bereich grafische Aufbereitung von Daten profitieren Technische Redakteure von einer gründlichen Datenpflege. Germar Nikol hat in seinem Vortrag mit dem Titel „From 3D CAD Model to graphical TC Content“ gezeigt, wie wichtig grafischer Content für die Verständlichkeit beim Leser ist. 3D-Daten spielen dabei eine immer größere Rolle. Der Aufwand mit den Daten zu arbeiten, gestaltet sich für einen Technischen Redakteur jedoch hoch. Deshalb hat Nikol demonstriert, wie Technische Redakteure 3D-Daten einfach wiederverwenden bzw. editieren können. Dies erfordert eine Integration von CAD-Software in PLM-, CMS- oder Redationssysteme. Der Umgang mit großen Datenmengen und sich ständig ändernden 3D-Daten wird dadurch erheblich erleichtert.

 


Aktuelles aus der Rechtsentwicklung

Nahezu ein Klassiker der tekom-Jahrestagung ist der Vortrag zu „Aktuelle Rechtsentwicklungen für die technische Dokumentation“, den Rechtsanwalt Jens-Uwe Heuer-James der Kanzlei Luther gehalten hat. Herr Heuer appellierte an die Unternehmen, die Technische Dokumentation ernst zu nehmen. Es sei essenziell, dass die beschriebenen Produkteigenschaften und Angaben der Benutzerinformationen den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. Den Appell verbindet er mit dem Hinweis, dass nicht nur die großen Schadensfälle vor Gericht landen, sondern auffallend viele Fälle von Unlauterem Wettbewerb (UWG). Unternehmen ziehen den Wettbewerb dabei auch anhand der Technischen Dokumentation vor Gericht. Im zweiten Teil seines Vortrags informierte Herr Heuer über Änderungen der Gesetzgebung, welche die Technische Dokumentation betreffen. Vor allem hat er dabei die neue EU-weite Marktüberwachungsverordnung angesprochen, die im April 2019 im europäischen Parlament verabschiedet wurde. Deren Umsetzung wird laut des Rechtsanwalts dafür sorgen, dass künftig noch rigoroser auf Sicherheit von Produkten geachtet wird und damit auch auf die zu den Produkten gehörigen Anleitungen.


Neuerungen im Bereich Normen und Richtlinien

Konkret im Bereich Normen und Richtlinien haben die Tagungsteilnehmer vor allem die neue Norm zum „Erstellen von Informationen und Anleitungen zum Gebrauch von Produkten“ mit der Kennzeichnung IEC 82079-1 Edition 2 diskutiert. Im Vergleich zur vorgehenden Norm zum „Erstellen von Gebrauchsanleitungen“ (DIN EN 82079-1) stellt sie weit mehr als eine Ergänzung dar. Vier Punkte sind für uns besonders herausstechend. Erstens gilt der Anwenderbereich nicht nur für Gebrauchsanleitungen, sondern für jede Art von Nutzerinformationen. Die Technischen Redakteure sind zweitens dazu angehalten, die Nutzerinformationen nach dem Minimalismusprinzip anzulegen. Somit ist jede redundante Information nicht mehr normgerecht. Drittens wird der Zielgruppenanalyse noch mehr Bedeutung beigemessen. Viertens fordert die Norm nun explizit das Single Source Publishing, die Trennung von Layout und Inhalt, und ein entsprechendes Informationsmanagement. Fraglich war für die Tagungsteilnehmer, ob die parallele Anwendung der neuen Norm 82079-1 Ed. 2 neben der Norm DIN EN ISO 20607 zur „Sicherheit von Maschinen – Betriebsanleitung – Allgemeine Gestaltungsgrundsätze“ hilfreich ist oder eher verwirrt. Die DIN EN ISO 20607 bezieht sich auf die Gestaltung sicherheitsrelevanter Inhalte in Betriebsanleitungen ausschließlich für Maschinen. Sie bietet eine fertige Struktur für Betriebsanleitungen an, trifft jedoch keine Aussagen zu den Kriterien und Prozessen von Informationsentwicklung und -management, anders als die Norm IEC 82079-1 Ed. 2. Als Konsens der Diskutierenden kann festgehalten werden, dass die Leitnorm der Technischen Redakteure die IEC 82079-1 bleibt. Die DIN EN ISO 20607 dagegen wird ergänzend dazu gezogen, wenn es die Aufgabe des Technischen Redakteurs ist, Maschinen zu dokumentieren. Sie ist als harmonisierte Norm konzipiert, d. h. die Maschinenrichtlinie ist automatisch abgedeckt, wenn die Betriebsanleitung nach der DIN EN ISO 20607 erstellt wird. Ihre Anwendung ist deshalb empfehlenswert.

 


Interessantes aus dem Bereich Übersetzungsmanagement

Besonders interessant aus dem Bereich Übersetzungsmanagement war ein Vortrag von Diplom-Übersetzerin Angelika Zerfaß mit dem Titel „Finde den Unterschied – Wortzahlen, Segmentzahlen und Trefferquoten (Match-Werte) in TM-Systemen“. Frau Zerfaß hat gezeigt, dass unterschiedliche Translation-Memory-Systeme oder Systemversionen zu unterschiedlichen Zählwerten von Wörtern und Segmenten trotz gleichem Ausgangsdokument kommen. Die unterschiedlichen Ergebnisse können z. B. daraus resultieren, dass manche Programme geschützte Tabellenblätter, Kommentare und Notizen oder Indexe und Inhaltsverzeichnisse mitzählen und andere Programme nicht. Als Dienstleister ist dieser Vortrag für uns besonders relevant, da unterschiedliche Zählergebnisse dem Kunden verständlich gemacht werden müssen. Der Kunde soll zu keiner Zeit den Eindruck bekommen, er bezahle mehr als das eigentliche Auftragsvolumen hergibt.

 

Ein weiteres Thema aus dem Bereich Übersetzungsmanagement, das viele Zuhörer angelockt hat, ist: Wie werden SEO-optimierte Websites richtig übersetzt? Entscheidend dabei ist ein gutes Zusammenspiel der ausgearbeiteten SEO-Strategie für die Website, der spezialisierten und international agierenden SEO-Agentur sowie dem Übersetzungsdienstleister. Die Qualität der übersetzten Seite bemisst sich nicht mehr ausschließlich an der sprachlichen Qualität, sondern auch durch den Erfolg unter SEO-Gesichtspunkten. Den Vortrag mit dem Titel „Suchmaschinenoptimierung (SEO) bei der Lokalisierung von Websites“ hat Wolf Freise gehalten, globaler Key-Account-Manager bei medDOCMedical Translations and Documentation.


Networking mit Experten und Kunden

Neben all den Vorträgen und Workshops haben wir die Zeit genutzt, um interessante Gespräche zu führen und Kontakte zu knüpfen. Als zertifizierter SCHEMA Silberpartner haben wir uns z. B. am SCHEMA Stand mit Kunden und Experten ausgetauscht. Die Veranstaltungen an den drei Messetagen waren rundum gut besucht. Ein Zeichen dafür, dass sich in der Branche viel bewegt. Generell gilt, dass eine Offenheit gegenüber technologischen Neuerungen gefordert ist, die Arbeit sich dadurch nicht verringert, sondern verändert.